“Wir müssen auch Kritik vertragen können.”
… so jedenfalls Dr. Martin Schmitt, Leiter der Konzern-Personalpolitik bei der Deutschen Lufthansa AG in einem Zitat zur Thematik rund um Web 2.0 in der Personalarbeit in der aktuellen Ausgabe des Personalmagazins (10/2007, “Arbeit am Glashaus”). Allerdings bezieht sich das Zitat dort “nur” auf den internen Einsatz von Web 2.0-Tools in Foren für das fliegende Personal und für Azubis. Im externen Einsatz sind derartige Aussagen leider noch eher dürftig gesät.
Denn trotzdem sich laut aktuellen Studien immer mehr Personaler für die Nutzung der Möglichkeiten der Mit-Machqualitäten des Web 2.0 erwärmen können, fehlt es noch an zwei wichtigen Zutaten:
Erkenntnis und Mut.
Mit Erkenntnis meine ich nicht nur das Erkennen, dass Web 2.0 -Tools Aufmerksamkeit und Klickraten auf die Karriere-Websites der Unternehmen bringen, sondern die “wahre Erkenntnis”, dass die Meinungen von Mitarbeitern, Bewerbern etc., die mit diesen Tools sichtbar gemacht werden schlicht die andere Seite der Prägung der “Medaille Arbeitgeberimage” darstellen – das Employee Branding. Wird dieses Instrument für diesen Zweck erkannt, ist es zudem einfacher zu handhaben als viele glauben. Denn das Employee Branding was ich meine, kommt von und aus den Mitarbeitern selbst und wird idealerweise auch von ihnen selbst in privaten Medien (z.B. Blogs) initiiert, praktiziert und von HR/Personal angeregt. Das ist glaubwürdig und vor allem restriktionsfrei seitens der Unternehmenskommunikation, weil Styleguides und Pressesprecher-Zensur dort nicht gelten (dürfen). Zählt man dann die qualitative Wirkung (Unternehmen wirken objektiver, weil von innen und außen dargestellt) und die quantitative Wirkung zusammen (Kontaktfrequenz steigt, weil es mehr Absender und Botschaften gibt), entsteht ein umfassenderes, aktuelleres und aktiveres Bild von Unternehmen und Arbeitgebern als zuvor.
Sich dieser Erkenntnis zu stellen und dementsprechend zu handeln, erfordert dann den eingeforderten Mut. Mut wie ihn Josef Buschbacher von Festo bewies, als er seinen inzwischen vielgelobten und ausgezeichneten Ausbildungsblog initiierte, ohne bei seiner Unternehmensleitung explizit nachzufragen. Dort und auch in vielen anderen Unternehmen konnte man und kann man sich leider noch nicht vorstellen, dass auch kritische Stimmen von Mitarbeitern, Ex-Mitarbeitern und Bewerbern einen Arbeitgeber eher attraktiver, weil glaubwürdiger machen. Bei Festo sind die Bewerberzahlen durch den Blog jedenfalls gestiegen. Buschbacher: “Seit der Blog online ist (Anm.: seit Herbst 2005), sparen wir erhebliche kosten für herkömmliche Broschüren und teure Anzeigen ein.” (Personalmagazin/10/2007, “Arbeit am Glashaus”). Ein toller Erfolg getreu dem Motto: “Es ist leicher um Vergebung zu bitten, als um Erlaubnis zu fragen.”
Eine Anmerkung noch in eigener Sache: Entgegen der Aussage in der zitierten Ausgabe des Personalmagazins berate ich Herrn Buschbacher bzw. Festo nicht, er macht seine Sache auch so ganz prima ![]()
Wenn Sie sich davon überzeugen möchten, lade ich Sie gerne zum Seminar “Recruiting 2.0: Vernetzte Bewerber als Herausforderung in Zeiten von Web 2.0″ am 24.10./25.10.2007 in Mannheim ein. Hier lernen Sie Herrn Buschbacher und Vertreter einiger anderer Unternehmensvertreter kennen, die Erfahrungen mit diesem Thema gesammelt haben.



